1 — Was es ist
Ein Testament (letztwillige Verfügung) ist ein rechtsverbindliches Dokument, das festlegt, wie Ihr Vermögen nach Ihrem Tod verteilt werden soll und wer sich um etwaige minderjährige Kinder kümmern soll.
Ohne ein gültiges Testament wird Ihr Nachlass nach den gesetzlichen Standardregeln Ihrer Rechtsordnung verteilt – was sich stark von Ihren Wünschen unterscheiden kann und einen hinterbliebenen Partner oder nicht leibliche Angehörige ohne Schutz zurücklassen kann.
Ein Testament ist nicht nur etwas für Vermögende: Wenn Sie etwas besitzen, Angehörige haben oder sich darum sorgen, was nach Ihrem Tod geschieht, brauchen Sie eines.
2 — Warum es wichtig ist
- Das Vermögen wird von einem Gericht nach allgemeinen gesetzlichen Regeln verteilt, die Ihre tatsächlichen Wünsche unberücksichtigt lassen
- Ein unverheirateter Partner oder Stiefkinder erhalten nichts, weil sie nach der gesetzlichen Erbfolge keinen Anspruch haben
- Der Vormund minderjähriger Kinder wird von einem Gericht und nicht von Ihnen bestimmt
- Der Nachlass wird für Monate oder Jahre im Nachlassverfahren eingefroren, sodass die Familie keinen Zugang zu Mitteln hat
- Familienbeziehungen werden durch Streitigkeiten über einen nicht dokumentierten Nachlass dauerhaft beschädigt
- Erheblicher Nachlasswert geht durch unnötige Steuern verloren, die mit Planung hätten gemindert werden können
3 — Wann anzuwenden
- Sobald Sie volljährig werden, besonders wenn Sie Eigentum besitzen oder Angehörige haben
- Nach Heirat, Scheidung oder der Geburt eines Kindes
- Nach einer erheblichen Vermögensänderung (Erbschaft, Immobilienkauf, Unternehmensbeteiligung)
- Wenn ein wichtiger Begünstigter oder vorgesehener Vormund verstirbt oder handlungsunfähig wird
- Mindestens alle 5 Jahre als geplante Überprüfung
4 — Vorgehensweise
- 1Erstellen Sie ein vollständiges Verzeichnis Ihres Vermögens: Immobilien, Bankkonten, Anlagen, Renten, Lebensversicherungen, persönliche Wertgegenstände.
- 2Entscheiden Sie, wer jede Vermögenskategorie erben soll (Begünstigte).
- 3Wählen Sie einen Testamentsvollstrecker – eine vertrauenswürdige Person oder einen Fachmann zur Verwaltung des Nachlasses.
- 4Wenn Sie minderjährige Kinder haben, benennen Sie im Testament klar einen Vormund.
- 5Berücksichtigen Sie etwaige bestimmte Vermächtnisse (persönliche Gegenstände, Spenden an gemeinnützige Zwecke).
- 6Ziehen Sie einen Anwalt oder Notar hinzu, um das Testament für Ihre Rechtsordnung korrekt aufzusetzen – ein schlecht aufgesetztes Testament kann unwirksam sein.
- 7Unterzeichnen Sie das Testament in Anwesenheit der erforderlichen Anzahl unabhängiger Zeugen (in der Regel zwei).
- 8Teilen Sie Ihrem Testamentsvollstrecker mit, wo das Testament aufbewahrt wird, und bewahren Sie eine digitale Kopie in Ihrem verschlüsselten Tresor auf.
- 9Überprüfen Sie das Testament alle 5 Jahre oder nach jeder wichtigen Lebensänderung.
5 — Checkliste
- Vollständiges Vermögensverzeichnis erstellt
- Begünstigte für alle wichtigen Vermögenswerte benannt
- Testamentsvollstrecker gewählt und informiert
- Vormund für minderjährige Kinder benannt
- Bestimmte Vermächtnisse aufgelistet
- Testament fachgerecht aufgesetzt und rechtsgültig
- Testament mit den erforderlichen Zeugen unterzeichnet
- Testamentsvollstrecker weiß, wo das Originaltestament aufbewahrt wird
- Digitale Kopie im verschlüsselten Tresor gespeichert
- Überprüfung im 5-Jahres-Rhythmus geplant
6 — Beteiligte Dokumente
- Letztwillige Verfügung (unterzeichnetes Original)
- Vermögensverzeichnis zur Unterstützung des Testaments
- Im Testament genannte Grundbuchurkunden
- Lebensversicherungspolice mit Begünstigtenangabe
- Formulare zur Benennung von Rentenbegünstigten
- Wunschschreiben (informelle Anweisungen an den Testamentsvollstrecker)
- Bestellungsschreiben des Testamentsvollstreckers
- Vormundbenennung (falls vom Testament getrennt)